Vorweg: Die WG ist meist der richtige erste Schritt
Viele Eltern denken zuerst an ein eigenes kleines Apartment — „da ist mein Kind ungestört". Die Erfahrung spricht oft dagegen: Nach dem ersten Arbeitstag in eine leere Wohnung zu kommen, ist für einen 17-Jährigen härter als jede geteilte Küche. Eine kleine WG mit zwei, drei Mitbewohnern in ähnlicher Lebensphase gibt Struktur, Ansprache und ein Sicherheitsnetz — und kostet weniger. Worauf es dann ankommt, sind nicht Quadratmeter, sondern: Wer vermietet? Wer wohnt noch dort? Und wer ist erreichbar, wenn etwas ist?
Checkliste 1 · Vermieter und Zimmer prüfen
- ✓Ansprechpartner mit Namen und Telefonnummer — nicht nur ein Kontaktformular. Rufen Sie einmal an: Wie schnell und wie verbindlich reagiert jemand?
- ✓Besichtigung vor Vertragsschluss — vor Ort oder per Video-Rundgang. Seriöse Vermieter bieten das von sich aus an; wer Druck macht („heute zahlen, sonst weg"), fällt durch.
- ✓Wer wohnt in der WG? Fragen Sie nach Alter und Situation der Mitbewohner. Eine Azubi-WG, in der alle in Ausbildung, Praktikum oder Studium sind, gibt den besten Rahmen.
- ✓Gesamtmiete schriftlich — bei All-in-Miete sind Strom, Heizung, Wasser und WLAN enthalten, es kommt keine Nachzahlung. Bei Kaltmiete: alle Nebenkosten einzeln erfragen und addieren.
- ✓Weg zum Betrieb und zur Berufsschule real prüfen (z. B. VVS-Fahrplanauskunft ↗) — zu Schichtbeginn, nicht um 11 Uhr vormittags.
- ✓Niemals Geld vor dem Vertrag — keine „Reservierungsgebühr", keine Kaution in bar an Unbekannte. Kaution erst nach Vertragsschluss, per Überweisung mit Verwendungszweck.
Checkliste 2 · Vertrag, Geld und Papiere
- ✓Unter 18: Eltern unterschreiben mit — Minderjährige können nicht allein wirksam mieten. Gute Vermieter haben dafür fertige Abläufe und binden Sie von Anfang an ein.
- ✓Laufzeit an die Ausbildung koppeln — üblich ist die Ausbildungsdauer; wichtig sind faire Kündigungsfristen, falls der Betrieb gewechselt wird oder die Ausbildung endet.
- ✓Kaution und erste Miete einplanen — zusammen meist zwei bis drei Monatsmieten Startkapital. Bei möblierten Zimmern entfallen dafür Möbel- und Gerätekäufe.
- ✓BAB beantragen — der Mietzuschuss der Agentur für Arbeit, abhängig auch vom Elterneinkommen; Ihre Einkommensnachweise werden dafür gebraucht. Anleitung: BAB Schritt für Schritt →
- ✓Kindergeld läuft weiter — während der ersten Ausbildung bis 25, unabhängig vom Wohnort. Viele Familien reichen es als Mietzuschuss weiter.
- ✓Haftpflicht bestätigen lassen — Kinder in erster Ausbildung sind meist über die Eltern-Police mitversichert. Ein Anruf bei Ihrer Versicherung schafft Gewissheit; eine eigene Hausratversicherung braucht ein möbliertes WG-Zimmer selten.
- ✓Beim Betrieb nach Mietbeteiligung fragen — immer mehr Ausbildungsbetriebe zahlen mit. Das Vorstellungsgespräch oder der erste Elternabend im Betrieb ist der richtige Moment.
Checkliste 3 · Die Einzugswoche
- ✓Übergabeprotokoll mit Fotos — Zustand von Zimmer, Möbeln und Bad dokumentieren, beide Seiten unterschreiben. Das schützt die Kaution beim Auszug.
- ✓Anmeldung beim Bürgeramt innerhalb von 14 Tagen — die Wohnungsgeberbestätigung stellt der Vermieter aus.
- ✓Dauerauftrag für die Miete einrichten — am besten gemeinsam beim ersten Online-Banking-Termin; das Thema „Miete vergessen" ist damit vom Tisch.
- ✓Deutschland-Ticket beantragen — für den Weg zu Betrieb, Berufsschule und nach Hause am Wochenende.
- ✓Grundausstattung statt Vollausstattung — Bettwäsche, Handtücher, ein Satz Geschirr, Reiseapotheke. Alles Weitere ergibt sich; im möblierten Zimmer steht der Rest schon da.
- ✓Notfallzettel ans Schwarze Brett der Küche — Ihre Nummer, Hausarzt, Vermieter-Kontakt. Unaufgeregt, aber da.
Und dann: loslassen, ohne wegzusehen
Die ersten Wochen entscheiden, ob die neue Wohnung „Zuhause" wird. Was hilft: ein fester Anruf-Rhythmus statt täglicher Kontrolle, ein Besuch nach drei, vier Wochen (mit Vorwarnung), und die Abmachung, dass bei Problemen mit Zimmer oder Haus zuerst der Vermieter angerufen wird — dafür ist er da. Was nicht hilft: den Mietvertrag heimlich nachverhandeln oder jede WG-Reiberei zur Elternsache machen. Mitbewohner-Konflikte über Abwasch und Lautstärke gehören zum Erwachsenwerden dazu — und lösen sich in kleinen WGs fast immer von selbst.
Häufige Fragen von Eltern
Muss ich als Elternteil den Mietvertrag mit unterschreiben?
Ist Ihr Kind unter 18, ja: Minderjährige können nicht allein wirksam mieten — Eltern unterschreiben mit oder erteilen eine schriftliche Einwilligung. Ab 18 ist die Mitunterschrift nicht nötig; manche Vermieter bitten aber um eine Elternbürgschaft, wenn die Ausbildungsvergütung niedrig ist.
Läuft das Kindergeld weiter, wenn mein Kind auszieht?
Ja. Während der ersten Ausbildung oder des Studiums wird Kindergeld unabhängig vom Wohnort bis zum 25. Geburtstag gezahlt. Viele Familien reichen es als Mietzuschuss weiter. Zusätzlich kann Ihr Kind BAB bei der Agentur für Arbeit beantragen — das eine schließt das andere nicht aus.
Welche Versicherungen braucht mein Kind in der ersten WG?
Meist weniger als gedacht: Die private Haftpflicht der Eltern deckt Kinder in der ersten Ausbildung in der Regel mit — einmal bei der Versicherung nachfragen und bestätigen lassen. Krankenversichert ist ein Azubi über den Betrieb selbst. Eine eigene Hausratversicherung lohnt für ein möbliertes WG-Zimmer selten.
Woran erkenne ich einen seriösen Vermieter?
Vollständiges Impressum und erreichbarer Ansprechpartner, Besichtigung vor Vertrag (vor Ort oder Video), schriftlicher Mietvertrag mit klarer Gesamtmiete, Kaution auf ein Konto statt bar, Übergabeprotokoll mit Fotos — und niemals Zahlung vor Vertragsschluss.
WG oder eigenes Apartment — was ist besser für den Start?
Für die meisten ist die kleine WG der bessere Start: Menschen um sich herum statt leerer Wohnung nach Feierabend, geteilte Küche als sozialer Anker und geringere Kosten. Ein Apartment bietet mehr Ruhe, kann im ersten Ausbildungsjahr in einer fremden Stadt aber einsam machen.
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Den großen Überblick zu Kosten, Wohnformen und Zeitplan gibt der Ratgeber zur ersten Azubi-Wohnung. Zur Mietfinanzierung: BAB beantragen — Schritt für Schritt. In English: Parents' checklist · En français : check-list parents.